balasegaram2_JOHN WESSELSAFP via Getty Images_africaflood John Wessels/AFP via Getty Images

Der Klimawandel ist eine größere Gesundheitsbedrohung, als wir denken

GENF – Es wird allgemein angenommen, dass der Klimawandel die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstellt. Ein globaler Temperaturanstieg in Höhe von 2° Celsius – eine Schwelle, die bis Ende des Jahrhunderts überschritten werden dürfte – könnte bis zu einer Milliarde Menschenleben fordern, unter anderem durch Todesfälle aufgrund von extremen Wetterereignissen, Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen, Ausbrüchen von Infektionskrankheiten und Nahrungsmittelknappheit. Tatsächlich könnte die Situation weitaus schlimmer sein, denn in den derzeitigen Prognosen bleibt die unvermeidliche Zunahme antimikrobieller Resistenzen (AMR) unberücksichtigt.

Der Klimawandel könnte tiefgreifende Auswirkungen auf antimikrobielle Resistenzen haben, denn es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass ungünstige Witterungsbedingungen und steigende Temperaturen das Auftreten und die Ausbreitung arzneimittelresistenter Erreger fördern können. Doch in Modellen, mit denen versucht wird, die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels abzuschätzen, wird das wachsende Risiko von Arzneimittelresistenzen ebenso außer Acht gelassen wie in den politischen Reaktionen auf die Erderwärmung – ein massives Versäumnis, das unsere Fähigkeit beeinträchtigen wird, Infektionen zu behandeln und die Gesundheit der Menschen zu erhalten.

Ein wärmerer Planet erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit des Aussterbens von fast 11.000 Arten, doch er könnte die Bedingungen für Bakterien und Pilze verbessern. Höhere Temperaturen werden mit einem verstärkten Bakterienwachstum und höheren Infektionsraten in Verbindung gebracht und können zudem Selektionsdruck auf Mikroben ausüben, zu mutieren und eine Resistenz gegen Antibiotika zu entwickeln. In einer kürzlich in China durchgeführten Studie wurde festgestellt, dass jeder Anstieg der Lufttemperatur um 1°C mit einem Anstieg der Infektionen mit arzneimittelresistenten Klebsiella pneumoniae um 14% und mit einem Anstieg der Infektionen mit arzneimittelresistenten Pseudomonas aeruginosa um 6% einherging.

https://prosyn.org/4Rhwy8ede